Hanfanbau

Erntereifer Hanf
Zum Erntezeitpunkt hat der Hanf eine Höhe von fast vier Metern erreicht.

Hanf ist eine sehr alte Kulturpflanze, mit den Ursprüngen ihrer Verbreitung vor mehreren tausend Jahren in Indien und China. Auch in Europa wurde in den vergangenen Jahrhunderten bereits Hanf angebaut. Im 17. Jahrhundert wurden fast alle Segel, Taue und Seile, Fahnen, Papier und sogar die Matrosenuniformen aus Hanf hergestellt. Hanf war eine wichtige Quelle für die Seilherstellung, für Textilien, Papier- sowie Ölprodukte. Bereits Gutenberg druckte seine erste Bibel auf Hanfpapier und Henry Ford beeindruckte die Welt 1941 mit seinem „hemp car“, einem Auto, dessen Karosserie aus Hanffasern hergestellt und dessen Motor mit aus Nutzhanf gewonnenem Methanol betrieben wurde. In den nachfolgenden Jahren verlor der Hanfanbau in Deutschland jedoch durch Fortschritte bei der Kunstfaserherstellung sukzessive an Bedeutung und wurde zwischenzeitlich von 1982 bis 1996 wegen der Gefahr der Rauschmittelgewinnung auch gänzlich verboten. Seither wird der Hanf jedoch als “Industriepflanze” wieder neu entdeckt.

Die Hanfzüchter haben sichergestellt, dass heute nur Tetrahydrocannabinol (THC)-arme Sorten für den Industriepflanzenanbau zur Verfügung stehen, aus denen kein Rauschmittel gewonnen werden kann. Der heute in Deutschland angebaute Hanf wird bislang vor allem zu umweltfreundlichen Dämm- und Dichtungsstoffen verarbeitet, während eine Verarbeitung des Hanfes zu Textilien bislang wegen fehlender Mechanisierungstechnik noch nicht möglich ist, obwohl für diese Naturtextilien aus heimischer Produktion ein potentieller Bedarf zu erwarten ist, denn Hanftextilien gewährleisten einen hohen Tragekomfort. In der Euregio Rhein-Waal haben sich daher landwirtschaftliche Betriebe, Unternehmen und Forschungsinstitute zusammengeschlossen, um regional eine solche Hanftextilkette aufzubauen. Auch die Landwirtschaftskammer NRW beteiligt sich an diesem grenzüberschreitenden Projekt. Im Einzelnen sind folgende Partner an dem Projekt beteiligt:

  • BRUT (EWIV) Kleve (Antragsteller)
  • Technologie-Zentrum Kleve,
  • Plant Research International BV Wageningen UR (NL),
  • Landwirtschaftskammer NRW/Landwirtschaftszentrum Haus Riswick,
  • Biologische Producentenvereniging Achterhoek (NL),
  • Deutsches Textilforschungszentrum Nord-West e.V. Krefeld,
  • Trützschler GmbH & Co.KG,
  • VRISIMA BV Laren (NL),
  • Stichting Food Valley Wageningen (NL),
  • Universität Duisburg-Essen / FFT - Forschungsförderung und -Transfer.

Im Rahmen dieses Projektes müssen eine Vielzahl von Teilaspekten der Fasergewinnung und Spinntechnologie sowie der Stoffherstellung bearbeitet werden, um den Verarbeitungsprozess zu optimieren. So sind die gebräuchlichen Nass- und Trocken-Spinn-Technologien für das Verspinnen von Hanf aus West-Europa nicht geeignet. Um das hoch technologische System des Kurzfaserspinnens einsetzen zu können, ist ein zusätzlicher Verfeinerungsschritt notwendig. Diesen kann man erreichen, indem man die sogenannte Steam Explosion Technologie (STEX) benutzt. Hanffasern werden mit Dampf und unter hohem Druck behandelt und in einem Zyklon ausgeblasen. Die entstehenden Fasern können auf Kurzfaserspinnsystemen versponnen werden (evtl. in Kombination mit Baumwolle) und die Garne zu modischer und ökologischer Kleidung, funktionalen Textilien für das Gesundheitswesen und zu Heimtextilien verarbeitet werden. Die Landwirtschaftskammer ist an diesem Projekt beteiligt, in dem sie auf den Praxisflächen von Haus Riswick in Kleve den für die Projektentwicklung erforderlichen Hanf angebaut hat, der den Rohstoff für die Verfahrensentwicklung und Weiterverarbeitung darstellt. Ein vergleichbarer Anbau fand auch auf niederländischer Seite statt.

Versuchsberichte