Im Landwirtschaftszentrum Haus Riswick, Kleve, wurden auftragsgemäß im Rahmen der Energetischen Futterwertprüfung elf Ergänzungsfuttermittel für Milchkühe von zehn Mischfutterherstellern geprüft. Ziel dieser Prüfung ist die Bestimmung des Energiegehaltes für das jeweilige Futter auf der Grundlage von Verdauungsversuchen an Hammeln, um anschließend einen Vergleich mit dem vom Hersteller deklarierten Energiewert vorzunehmen.
Neben den Gehalten an Rohnährstoffen und der Energie werden zur besseren Beschreibung der Futter auch die Gehalte an Stärke und Zucker ermittelt und dargestellt. Über das methodische Vorgehen im Detail informiert die Übersicht "Ablauf und Methode der Energetischen Futterwertprüfung".
Von den elf geprüften Futtern gehören nach Angaben der Hersteller fünf Milchleistungsfutter der Energiestufe 3 an. Vier dieser Futter sollen einen Rohproteingehalt von 18 % und ein Futter von 22 % besitzen. Die Angaben zu den Rohfettgehalten variieren bei den Futtern der Energiestufe 3 zwischen 3,6 und 5,8 %, die Angaben zu den Rohfaserwerten liegen zwischen 9,0 und 18,5 %.
Mit einem Energiegehalt von 7,0 MJ NEL/kg werden sechs Futter deklariert, deren Rohproteingehalte zwischen 15 und 20 % liegen sollen. Beim Fettgehalt variieren die Angaben zwischen 2,1 und 4,4 %, bei den Rohfaserwerten zwischen 5,6 und 10,1 %.
In den meisten Fällen empfehlen die Hersteller den Einsatz der hier geprüften Futter zu ausgeglichenen oder proteinschwachen Grundfutterrationen. Das Futter deuka MK 154-G soll zu eiweißreichen, aber energieschwachen Grundfutterrationen sowie zur Weidefütterung eingesetzt werden. Für das Futter ML Provilac Economic von der Firma Strahmann, Drentwede, werden keine Fütterungshinweise gegeben.
Aus der Tabelle 1 sind die deklarierten Gehalte, die analytisch ermittelten Inhaltsstoffe sowie die am Hammel ermittelten Verdaulichkeiten und die daraus bestimmte Energiestufe für die Futter zu entnehmen. Ein Vergleich der von den Herstellern angegebenen Nährstoffgehalte zeigt bei allen Futtern eine gute Übereinstimmung mit den durch die Lufa NRW ermittelten Gehalten. Die futtermittelrechtliche Toleranz wird in allen Fällen eingehalten. Lediglich beim Futter Kuhkorn 19/7,0 von Friedag, Drensteinfurt unterschreitet der analysierte Rohfettgehalt den deklarierten Gehalt um mehr als futtermittelrechtlich zu gelassen.
Die Gehalte an organischer Masse variieren zwischen 80,7 und 83,5 %. Bei der Verdaulichkeit der organischen Masse sind die Unterschiede zwischen den Futtern wesentlich größer. Die Werte liegen im Bereich von 82,5 bis 88,8 %. Die aus den verdaulichen Nährstoffen berechneten Energiegehalte bestätigen bei allen Futtern die von den Herstellern angegebene Energiestufe bzw. angegebenen Energiegehalt. Auch die Energieschätzung mit Hilfe des Hohenheimer Futterwerttests führt zu einer Bestätigung der deklarierten Energiewerte.
Angaben zu den analysierten Gehalten an Stärke und Zucker können ebenfalls der Tabelle entnommen werden. Die Zuckergehalte liegen zwischen 47 und 84 g, die Stärkegehalte zwischen 59 und 399 g/kg.
Der Energiegehalt als wichtigste Kenngröße für Milchleistungsfutter errechnet sich aus dem Gehalt an verdaubaren, organischen Rohnährstoffen. Die Verdaulichkeit der organischen Masse wird maßgeblich durch die Wahl der Futterkomponenten sowie deren Qualität beeinflusst. Aus diesem Grund ergeben sich trotz vergleichbarem Rohnährstoffgehalt zum Teil deutliche Unterschiede im Energiegehalt der Milchleistungsfutter. In den vorliegenden Prüfdurchgängen konnte der deklarierte Energiewert bei allen Futtern bestätigt werden, worin eine hohe Qualität der Mischfutterproduktion zum Ausdruck kommt.
Neben dem Energiewert eines Futters sind der Proteingehalt und die Proteinkennwerte maßgeblich für die Qualität und den Einsatzzweck des Futters. Die Angabe von Milcherzeugungswerten bei den Fütterungshinweisen sollte auf Basis von nutzbarem Rohprotein am Dünndarm und NEL für Milch mit 4 % Fett und 3,4 % Protein erfolgen. Bei den hier geprüften Futtern standen erfreulicherweise die Proteinkennwerte aufgrund der Angaben in den Begleitpapieren oder nach telefonischer Anfrage zur Verfügung.
Die Analysen der Kohlenhydrate Zucker und Stärke zeigen vor allem beim Stärkegehalt sehr große Unterschiede zwischen Futtern. Der Gehalt an Stärke und auch die Herkunft der Stärke ist für die Beurteilung und Vorhersage von Fermentationsvorgängen im Pansen von größter Bedeutung gerade für Kühe in der Hochlaktationsphase, in der acidotische Pansenverhältnisse unbedingt vermieden werden sollten. Vor diesem Hintergrund ergibt sich die Forderung, die Stärke- und Zuckergehalte in den Fütterungshinweisen anzugeben, da dann die Auswahl und der Einsatz passend zum Grobfutter noch zielgerichteter erfolgen kann.
Bei den hier geprüften Futtern erfahren die Energieangaben seitens der Hersteller eine Bestätigung durch die Ergebnisse der Verdaulichkeitsmessungen an Hammeln und den daraus berechneten Energiewerten. Verbesserungsbedürftig sind im Einzelfall die Angaben zu den Proteinkennwerten. Wünschenswert sind ferner Informationen zum Stärkegehalt sowie zur Stärkebeständigkeit.