Im Landwirtschaftszentrum Haus Riswick, Kleve, wurden im Auftrag innerhalb der Energetischen Futterwertprüfung acht Ergänzungsfuttermittel für Milchkühe von ebenso vielen Mischfutterherstellern geprüft. Ziel dieser Prüfung ist die Bestimmung des Energiegehaltes für das jeweilige Futter auf der Grundlage von Verdauungsversuchen an Hammeln, um anschließend einen Vergleich mit dem vom Hersteller deklarierten Energiewert vorzunehmen.
Neben den Gehalten an Rohnährstoffen und der Energie werden zur besseren Beschreibung der Futter auch die Gehalte an Stärke und Zucker ermittelt und dargestellt. Über das methodische Vorgehen im Detail informiert die Übersicht 1.
In der vorliegenden Prüfung wurden zwei Futter geprüft, die nach Herstellerangabe der Energiestufe 2 angehören sollen. Mit deklarierten 24 % bzw. 35 % Rohprotein handelt es sich um eiweißreiche Ergänzungsfuttermittel, die zum Einsatz bei eiweißarmen Grundfutterrationen empfohlen werden. Drei weitere Futter sollen der Energiestufe 3 angehören. Diese Futter sind mit einem Rohproteingehalt von 18 % bzw. 22 % deklariert. Der Einsatz erfolgt zu ausgeglichenen bzw. eiweißarmen Grundfutterrationen. Des Weiteren wurden zwei Futter geprüft, bei denen die Hersteller einen Energiegehalt von 7,0 MJ NEL pro kg angeben. Beide Futter sollen 20 % Rohprotein besitzen. Schließlich war im Prüfsortiment ein Futter mit einer Energieangabe von 7,2 MJ NEL/kg mit einem angegebenen Rohproteingehalt von 19 %. Als Einsatzzweck für die drei letztgenannten Futter wird die Ergänzung von ausgeglichenen Rationen angegeben.
Die Angaben zum Gehalt an Rohfett variieren zwischen 2,5 und 4,2 %. Die Angaben zu den Rohfaserwerten schwanken zwischen 6,5 und 10,8 %. Geringe Rohfasergehalte sind dabei insbesondere bei den Futtern mit einer Energieangabe von 7,0 MJ NEL/kg oder höher gegeben.
Die Gehalte an Calcium bzw. Phosphor liegen nach Herstellerangaben zwischen 0,60 und 1,80 % bzw. zwischen 0,45 und 0,90 %. Hohe Mineralgehalte werden vor allem bei eiweißreichen Ergänzungsfuttern angegeben, wodurch auch ein Ca- bzw. P-Mangel in der Grundfutterration ausgeglichen werden soll.
Aus der Übersicht 1 sind die deklarierten Gehalte, die analytisch ermittelten Inhaltsstoffe sowie die am Hammel ermittelten Verdaulichkeiten und die daraus bestimmte Energiestufe für die Futter zu entnehmen. Ein Vergleich der von den Herstellern angegebenen Nährstoffgehalte zeigt bei allen Futtern eine gute Übereinstimmung mit den durch die LUFA NRW analysierten Gehalten. Die futtermittelrechtlichen Toleranzen werden bei allen Nährstoffgehalten eingehalten.
Die Gehalte an organischer Masse variieren zwischen 77,3 und 83,5 %. Insbesondere die eiweißreichen Ergänzungsfutter haben wegen den höheren Mineralstoffgehalten niedrige Gehalte an organischer Masse. Bei der Verdaulichkeit der organischen Masse sind die Unterschiede zwischen den Futtern wesentlich größer. Die Werte liegen zwischen 78,8 und 86,7 %. Die aus den verdaulichen Rohnährstoffen berechneten Energiegehalte bestätigen bei allen Futtern die von den Herstellern angegebene Energiestufe bzw. den angegebenen Energiegehalt. Die Energieschätzung mit Hilfe des Hohenheimer Futterwerttests führt ebenfalls unter Berücksichtigung der futtermittelrechtlich festgelegten Toleranz bei allen Futtern zu einer Bestätigung der vom Hersteller angegebenen Energiegröße.
Angaben zu den analysierten Gehalten an Stärke und Zucker können ebenfalls der Übersicht entnommen werden. Die Zuckergehalte liegen zwischen 58 und 97 g, die Stärkegehalte zwischen 44 und 361 g.
Der Energiegehalt als wichtigste Kenngröße für Milchleistungsfutter ist abhängig von dem Gehalt an verdaubaren, organischen Rohnährstoffen. Die Verdaulichkeit der organischen Masse wird maßgeblich durch die Wahl der Futterkomponenten sowie deren Qualität beeinflusst. Aus diesem Grund ergeben sich trotz vergleichbarem Rohnährstoffgehalt zum Teil deutliche Unterschiede im Energiegehalt der Milchleistungsfutter. In den vorliegenden Prüfdurchgängen konnte der deklarierte Energiewert bei allen Futtern bestätigt werden, worin eine hohe Qualität der Mischfutterproduktion zum Ausdruck kommt. In zwei Fällen ergab sich in der Prüfung am Hammel ein deutlich oberhalb der Herstellerangaben liegender Energiegehalt. Energieüberschreitungen sollten ebenso wie -unterschreitungen vermieden werden, da ansonsten der leistungsgerechte Kraftfuttereinsatz nicht möglich ist.
Neben dem Energiewert eines Futters sind der Proteingehalt und Proteinkennwert maßgeblich für die Qualität und den Einsatzzweck des Futters. Die Angabe von Milcherzeugungswerten bei den Fütterungshinweisen sollte auf Basis von nutzbarem Rohprotein am Dünndarm (nXP) und NEL für Milch mit 4 % Fett und 3,4 % Protein erfolgen. Bei den hier geprüften Futtern standen erfreulicherweise die Proteinkennwerte aufgrund der Angaben in den Begleitpapieren oder nach telefonischer Anfrage zur Verfügung. Dabei sollten insbesondere die Angaben zu den RNB-Werten aber logisch abgeleitet sein, wozu folgende Gleichung zu verwerten ist:
RNB = (XP – nXP) : 6,25 . Hierbei sind die Angaben in g/kg zu verwenden.
Die Analysen der Kohlenhydrate Zucker und Stärke zeigen vor allem beim Stärkegehalt sehr große Unterschiede zwischen den Futtern. Der Gehalt an Stärke und auch die Herkunft der Stärke ist für die Beurteilung und Vorhersage von Fermentationsvorgängen im Pansen von größter Bedeutung gerade für Kühe in der Hochlaktationsphase, in der acidotische Pansenverhältnisse unbedingt vermieden werden sollten. Vor diesem Hintergrund ergibt sich die Forderung, die Stärke- und Zuckergehalte in den Fütterungshinweisen anzugeben, da dann die Auswahl und der Einsatz passend zum Grobfutter noch zielgerichteter erfolgen kann.
Bei allen Futtern konnten die Energieangaben der Hersteller in der energetischen Futterwertprüfung im Verdauungsversuch mit Hammeln bestätigt werden. In zwei Fällen ergaben sich höhere Energiegehalte als vom Hersteller angegeben. Auch Energieüberschreitungen sollten vermieden werden, damit eine leistungsgerechte Kraftfutterzuteilung vorgenommen werden kann. Wünschenswert sind aus Sicht der Fütterungsberatung zusätzliche Informationen in den Fütterungshinweisen zum Gehalt an Stärke und Zucker.